Zorbau - Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungs-Lexikon von Sachsen

Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungs-Lexikon von Sachsen: enthaltend eine richtige und ausführliche geographische, topographische und historische Darstellung aller Städte, Flecken, Dörfer, Schlösser, Höfe, Gebirge, Wälder, Seen, Flüsse etc. gesammter Königl. und Fürstl. Sächsischer ..., Band 13

Friedrich Adolph Schumann, Albert Schiffner
1826


Zorbau, bei Weißenfels, in Urk. Czorbow, Zorben, ein Dorf in dem Herzogthum Sachsen, im R. B. Merseburg, im weissenfelser Kreise, im Amte Weissenfels, im sonstigen thüringer Kreise, im Gerichtsstuhl Mölsen, nur eine Stunde südöstlich der Stadt Weissenfels, links von der Straße von Weissenfels nach Zeitz, zwischen den Dörfern Göstewitz, Köslitz, Dippelsdorf und Aupitz gelegen. Der Ort ist ein uraltes, noch von den Sorbenwenden herrührendes ansehnliches Dorf im dessem Schlosse wohnte noch im 15. Jahrhundert eine Familie von Zorben oder Zorbau, die das hiesige Vorwerk besaß. Der Ort hat 46 Häuser und über 200 Einwohner, eine Pfarrkirche, eine Schule, ein Brauhaus, eine Schenke und die Einwohner besitzen 591/2 Hufen Landes. Die Einwohner stehen unmittelbar unterm Amte Weißenfels. In älterer Zeit es dem Klosteramte St. Georgen von Naumburg mit Ober- und Erbgerichten zu; nach Eingang des Klosters fiel es an das Stift Naumburg, und 1661 mit Gerichten und anderen Gerechtigkeiten durch Tausch an das Amt Weißenfels - Die Kirche, Pfarre und Schule sind mit der Inspection und dem Patronatrechte bei dem Stifte verblieben.  Das alte päbstliche Kirchengebäude steht noch diese Stunde, macht aber freilich keine große Parade. Im Jahre 1558 ist due große Glocke auf dasiger Kirche gegossen worden, in welcher sich diese Inschrift befindet:"Gott's Wort bleibt ewig, Erhard Kuchgen goß mich." Auf jeder Seite ist das Leiden Christi und unten ein Weibsbild mit einem Kranz auf dem Kopfe, worüber eine Haube gezogen, abgebildet, welches eine Ruthe in der Hand hält, und mit einem Rocke bekleidet ist. Neben ihr steht ein kleines Kind mit Zuzschkanne. Die Sage gehet, es hätte die letzte des Adelich von Zorbischen Geschlechtes mit einem Ehemanne Blutschande begangen, und zur Büsung solcher Sünde diese Glocke gießen lassen müssen - Die Collatur stand sonst dem Stifts-Consistorium zu Zeitz zu; jetzt ist der König von Preußen Patron, und die Inspection übt die Superintendur zu Zeitz. Das merseburger Reg. Verzeichnis nennt Sie eine Mutterkirche. - Das ehemalige hiesige Vorwerk im Dorfe muß nicht gering gewesen sein, denn es gehörten dazu 36 Hufen Landes. Dieses Gut hat 1588 der Kurfürst George einem Georg Fladen erbkäuflich überlassen, später jedoch wurde es vereinzelt. Im hiesigen Dorfe ist auch eine sogenannte Supanei oder Erbrichterei, mit einem eignen Brauhause, in welchem ein weißbierartiges starkes Bier gebrauet wird.