Zorbau - Wie Zorbau zu seinem Namen kam.....- Dr. Hubert Schumann

Wie in den Reden anlässlich der 900-Jahr-Feier des Ortes im Jahre 1988 schon gemutmaßt wurde, wird die Gründung der Ortschaft als wesentlich früher angenommen. Eine mündlich überlieferte Legende, die auf Grund geschichtlicher Fakten der Realität sehr nahe kommt, könnte diese Annahme bestätigen:

Als im 6. Jahrhundert unserer Zeitrechnung die Germanen im Rahmen der Völkerwanderung westwärts und südwärts zogen, drängten in den nun freien mitteleuropäischen Raum, besonders bis zur Elbe und Saale, slawische Volksgruppen nach. Zu diesen Stämmen gehörten auch die Sorben. Sie durchquerten meist in Form von Großfamilien das Gebiet und führten in ihrem Tross Hausrat, Saatgut und Zuchtiere mit sich. Viele suchten neue Siedlungsgebiete und sie versprachen sich Hilfe vom Stammesoberhaupt der Sorben, der die einzelnen Sippen zu einer Versammlung zusammengerufen hatte. Auf einer Anhöhe nahe der Saale sollte den beiden obersten Göttern der Sorben, dem Gott Swantewitz und dem Gott der Finsternis Tschernebog, gehuldigt werden. Dieser Kultplatz war eine Erhebung nahe dem heutigen Weißenfels, die unter dem Namen Tschirnhügel (wahrscheinlich benannt nach Tschernebog) bekannt ist. Nach dem traditionellen Ablauf bekam der Älteste einer Landnahme suchenden Sippe den Hinweis, dass etwa 100 Pfeilschüsse in Richtung Sonnenaufgang eine günstige Ansiedlungsstelle vorhanden sei. Die Gruppe brach auf, und nach den 100 vorhergesagten Pfeilschüssen, die sie durch waldiges Gebiet etwa 5 Kilometer nach Osten führte, trafen sie auf eine kleine Senke mit einem von einer Quelle gespeisten Weiher. Die Umgebung und der fruchtbare Boden bildeten eine Wiesenaue und versprachen die Möglichkeit des Ackerbaus und günstige Futterbedingungen für ihr Vieh. Der von allen geachtete Älteste dieser Sippe war mit diesem Standort sehr zufrieden unf rief:
 

"Hier wollen wir siedeln. Dies ist und bliebt die SORBENAUE!"
 

Dieser Ausruf war die wahrscheinliche Namensgebung der Ansiedlung und daraus leitete sich der heute gültige Name Zorbau ab. Um den Weiher, dem heutigen Dorfteich, entstand nun das typisch slawische Runddorf und die vorhandene Quelle ist der Ursprung des kleinen Baches Zörbicke, der in die Rippach mündet. Das Zörbicketal und der Rippachgrund wurden später als Grenze des Sorbengebietes urkundlich erwähnt. Auch die umliegenden Ortschaften mit den Endungen -itz und -witz (z.B. die heute eingemeindeten Orte Gerstewitz, Zörbitz und Nellschütz sowie die Orte Granschütz, Aupitz und Wählitz deuten ebenfalls auf sorbische Gründungen hin.

Es ist daher anzunehmen, wenn auch nicht urkundlich bestätigt, dass die Gründung des 900-jährigen Zorbau schon einige Jahrhunderte früher erfolgte.