Zorbau - Aus dem Vorwort zur 900-Jahr-Feier in Zorbau 1988

....In der Jungsteinzeit (4600 v.u.Z. - 1750 v.u.Z.) wurde unser Gebiet von der Bevölkerung besiedelt, die aus den Donaugebieten einwanderte. Diese Menschen besaßen eine bäuerliche Kultur und ihnen waren Getreideanbau und Haustierhaltung vertraut. Nach ihrer typischen Keramikvertzierung mit bandartigen Mustern Mustern nennen wir sie Bandkeramiker. Seit dieser Zeit wurde unser Gebiet aufgrund des fruchtbaren Bodens ständig besiedelt. Bei den vielfältigsten Erdarbeiten um unseren Ort waren deshalb immer wieder Funde aus diesen vergangenen Zeiten zu verzeichnen. Beim Bau der Autobahn wurden Gräber und Siedlungsreste gefunden, so z.B. der Bandkeramiker (4600-3300 v.u.Z.), der Schnurkeramiker (2900-2500 v.u.Z.), der Bronzezeit (2400-1800 v.u.Z.) und des frühen Mittelalters (700-1000 u.Z.).
 
Bei den Schachtarbeiten an der Bullenmastanlage Granschütz entdeckte man 1984 eine Tontrommel und eine Tasse der Salzmünder Kultur.

In germanischer Zeit gehörte unser Gebiet zum Reich der Thüringer, welches 531 durch die Merowinger (Franken) erobert wurde. Ab 630 wanderten von Osten kommend Sorben in das dünnbesiedelte Land ein. Das Gebiet der Saale galt als Grenze zwischen Sorben und Franken und wird über viele Jahre durch heftige Kämpfe gekennzeichnet. Zum Schutz der Grenzen wurden in Camburg, Großjena, Burgwerben und Merseburg befestigte Holztürme errichtet. Die deutschen Fürsten dringen in der Folgezeit weiter nach Osten vor und besetzten die slawischen Gebiete.

Dabei werden bestehende Verhältnisse übernommen und slawische Stammesobere als Vögte und Richter (Zupane) eingesetzt. Auch die Ortsnamen wie Zorbau, Gerstewitz, Nellschütz und Zörbitz deuten auf den ehemals slawischen Ursprung hin.

Obwohl unser Ort erst 1088 erstmals urkundlich erwähnt wurde, müssen wir annehmen, dass er wesentlich älter ist.

In einer Urkunde des Gosecker Klosters von 1135 steht geschrieben, dass Uda (Oda), die Schwester des Pfalzgrafen Friedrich II in Zorbau 1088 starb und in Goseck begraben liegt. Uda besaß in Zorbau ein Gut, zu dem mit großer Wahrscheinlichkeit die noch heute vorhandene Wehrkirche gehörte.

Diese Kirche ist romanischen Stils und zeichnet sich durch ihre sorgfältige Bauweise aus. Sie wird in allen Beschreibungen als eine der ältesten Kirchen unseres Gebietes bezeichnet. Mehrfach umgebaut und renoviert besitzt sie heute einen gotischen Chor, teilweise gotische Fenster und eine Innenausstattung aus der Barockzeit. Bei Restaurierungsarbeiten in jüngster Zeit wurden Reste gotischer und barocker Wandmalereien freigelegt.

An der schwelle zur Reformation 1515 entstand der bis heute erhaltengebliebene Schnitzaltar. Der Taufstein wurde 1666 von einem Zorbauer Bürger gestiftet. Die Orgel stammt aus dem Jahre 1724 und kostet damals 100 Taler.

Von den ursprünglich vorhandenen 3 Glocken existiert nur noch die mittlere. Sie ist die älteste und auf ihr ist folgender Spruch zu lesen: „Vox mea sit grata tibi virgo Maria beata“ (möge mein Schall dir gefallen, hehere Jungfrau Maria). Die anderen 2 Glocken sind in den vergangene Weltkriegen eingeschmolzen wurden. Die große Glocke stammte aus dem Jahre 1558 und auf ihr stand zu lesen: „Gottes Wort bleibt ewig-Eckart Kuchgen goss mich“. Auf der kleineren Glocke stand: „Bei 6 Jahr Krieg hat niemand an mich gedacht, nach erlangtem Frieden hat man mich neu gemacht, 1763 Becker aus Naumburg“.

Der Name unseres Ortes leitet sich vom slawischen Ursprung des altsorbischen Sorbov oder Surbov ab und bezeichnet den Namen der Sorben, welche unser Gebiet besiedelten. Vielleicht ist aber auch die heute gebräuchliche Übersetzung als „Sorben-Aue“ möglich. Betrachten wir die Dorflage, so scheint die slawische Rundform noch erkennbar. Im Jahre 1160 wird Zorbau als eine Besitzung des Georgenklosters zu Naumburg aufgeführt. Nach Auflösung des Klosters gehört es zum Stift Naumburg. 1661 wird Zorbau der Gerichtsbarkeit des Amtes Weißenfels unterstellt. Damit war verbunden, dass die Einwohner im dortigen Schloss ihre Frondienste ableisten mussten.

Die Kriege vergangener Zeiten sind nicht spurlos an Zorbau und an anderen Orten der Gemeinde vorüber gegangen. So ist die Rede davan, dass der Hügel im Langendorfer Weg ein Hussittengrab birgt. Auch weiß man zu berichten, dass 1567 fast ganz Gerstewitz an der Pest ausgestorben ist. Im 30-jährigen Krieg 1636 wurde dieser Ort durch die Schweden in Brand gesteckt, wobei auch die Dorfkirche in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Um 1792 hatte Zorbau 46 Häuser einschließlich der wichtigsten Gebäude, wie Kirche, Schule, Schenke und Brauhaus. An Einwohnern zählte man 200 Seelen. Einen guten Ruf hatte das im Ort gebraute Starkbier, das bei örtlichen Festen gern getrunken wurde. Ab 1850 entwickelte sich das Dorf besonders unter dem Einfluss der Stadt Weißenfels und der Erschließung der Kohlelagerstätten in der näheren Umgebung noch verstärkt. Eine der wichtigsten Schwelkohlelagerstätten, auch Pyropissit oder Weißkohle genannt, war die bei Gerstewitz, wo der Pyropissit in der Grube 122 um 1860 zuerst erkannt wurde.

Zu einem damals für die Bauern wichtigen Ereignis gestaltete sich 1889 die Errichtung der Windmühle im Ortsteil Gerstewitz.

Um 1900 zählte unser Ort etwa 500 Einwohner.

Viele Arbeiter waren damals in den Riebeck-Werken, in Weißenfels oder in den Leuna-Werken beschäftigt. Ihr langer Arbeitstag begann mit einem Fußmarsch zu den Bahnstationen in Weißenfels oder Pörsten. Auch unser Ort hatte bewusste Arbeiter, die in der KPD, SPD und im Rotfrontkämpferbund organisiert waren. Sie nahmen an der Niederschlagung des Kapp-Putsches 1920 und an den Märzkämpfen 1921 teil. Durch die Inflation 1923 verschlechterte sich die Lage der Bevölkerung zusehens. So kostete z.B. im Juni 1922 ein Brot 22,- RM und im Februar 1923 schon 2200,- RM. Dem gegenüber betrug der Wochenlohn eines Arbeiters im Dezember 1922 ganze 14950,- RM. Wie in ganz Deutschland so blieben auch die Zorbauer Arbeiter nicht von der Arbeitslosigkeit verschont. 3 Jahre nach der Machtübernahme durch den Faschissmus gegann man im Kreis Weißenfels mit dem Bau der Autobahn.

Im 2. Weltkrieg kam es in unserem Ort zwar kaum zu materiellen Zerstörungen, aber trotzdem blieben auch hier die Menschen nicht vom unsagbaren Leid des Krieges verschont. Viele Einwohner verloren ihre Anghörigen oder mussten als Umsiedler neu beginnen. Nur langsam begann sich das Leben nach dem Krieg wieder zu normalisieren.

Im Jahre 1952 wurde die Gemeinde Zorbau dem neu gegründeten Kreis Hohenmölsen angegliedert. Die Gemeinde Zorbau, zu der die Ortsteile Nellschütz, Gerstewitz und Zörbitz gehören, hatte zu dieser Zeit 1535 Einwohner.

Im Rahmen des nationalen Aufbauwerkes wurden von der Bevölkerung in gemeinschaftlicher Arbeit viele wichtige Vorhaben realisiert. So wurde der Sportplatz mit den Umkleidekabinen gebaut, der Anger neu gestaltet, die Abwasserleitungen verlegt, Gewege erneuert und die Bushaltestelle fertiggestellt.

Nach dem Krieg gab es in Zorbau 11 Gewerbe und 19 Landwirtschaftsbetriebe. 1953 schlossen sich die ersten Bauern zur LPG „Neues Leben“ zusammen. Sie bewirtschafteten zusammen nun 159,42 ha. Damit begann die sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft. Zur Unterstützung der neu gebildeten Landwirtschaftsbetriebe entstand die RTS Gerstewitz als Basis für die Reparatur der Landmaschinen. Die schnelle Entwicklung, die sich in der Landwirtschaft in den letzten Jahren vollzogen hat, sehen wir heute an der industriemäßig produzierenden Bullenmastanlage in Granschütz.