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Montag, 28. November 2011 um 19:23 Uhr |
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Wirtschaftlicher Leuchtturm ist erloschen
Seit Erschließung des Zorbauer Gewerbegebietes hat die Gemeinde sehr viel Energie und Geld in das Anwerben von Investoren gesteckt. Das Ergebnis kann sich heute sehen lassen - etwa 1500 Menschen haben eine Arbeitsstelle in Zorbau gefunden, 1500 Familien die in der Region eine Perspektive haben und nicht wie zu viele Andere die aufgrund der wirtschaftlichen Situation umsiedeln mussten.
Die Entwicklung des Gewerbegebietes ist 2011 gänzlich zum Stehen gekommen. Anreize für potentielle Investoren wie die günstigen Grundstückspreise wurden abgeschafft. Standortfaktoren wie die im Vergleich zu den Nachbargemeinden günstigen Abwasserpreise und Gewerbesteuern stehen auf dem Prüfstand. Als erster Vorbote auf die weitere Entwicklung sind die um fast 30% gesunkenen Gewerbesteuereinnahmen zu werten. Auch wenn Zorbau von diesen Geldern ohnehin nichts mehr hat, sind damit auch Probleme für die Finanzierung des Haushaltes des Landkreises und die Finanzierung von Umlagen für finanzschwächere Kommunen verbunden.
Demokratie auf DDR Niveau
Die Möglichkeiten des Ortschaftsrates die Geschicke der Gemeinde mitzugestalten sind im Grunde nicht vorhanden. Wenn die Vorschläge des Ortschaftsrates von der Verwaltung überhaupt in den Stadtrat weitergeleitet werden, finden Sie dort oft keine Beachtung. Die Situation unterscheidet sich kaum von der zu DDR Zeiten, dort wurden die Kommunen von Kreisen verwaltet die kaum größer waren als die heutigen Einheitsgemeinden. Es ist schon Hohn jährlich die Geschehnisse von 1990 und die gewonnene kommunale Selbstverwaltung zu feiern - 2011 wurde diese quasi wieder abgeschafft.
Beschlossene Investitionen ad acta gelegt
Während Zorbau die Verantwortung für die wirtschaftliche Entwicklung übernommen hatte, bleiben einige Investitionen lange auf der Strecke. In den letzten Jahren besserte sich die finanzielle Situation der Gemeinde jedoch und man konnte beginnen Straßen auszubauen und auch Denkmäler zu sanieren. So beriet man mehrfach die Sanierung des Zörbitzer Gutes und bemühte sich ein sinnvolles Nutzungskonzept zu finden. Beim Zorbauer Pfarrhaus war man hier sogar schon einige Schritte weiter. Die Verhandlungen mit dem Kirchenkreis waren so gut wie abgeschlossen und die finanziellen Mittel zur Sanieren hatte die Gemeinde bereitgestellt. Im Vertrauen auf den von den Zorbauern unterstützten Bürgermeister Könnecke gingen die 400.000 Euro für das Pfarrhaus in die Stadt Lützen über - heute will Könnecke davon nichts mehr wissen. Geld für das Pfarrhaus gibt es zumindest nicht mehr.

Lange hat die Gemeinde für die Sanierung des Pfarrhauses gespart. Beinahe zwei Jahre war man mit der ev. Kirche
im Gespräch das Gebäude zu erwerben, um es in ein Mehrgenerationenhaus umzuwandeln . Die 400.000 Euro
werden trotz Versprechen jetzt in der Stadt Lützen verwendet.
Keine Einsparungen bei den Verwaltungskosten
Den Initiatoren der Gebietsreform waren viele der aufgeführten Folgen bewusst. Dagegen hielten sie aber die Verwaltungskosten, die nach deren Vorstellungen erheblich gesenkt werden könnten. Nach einem Jahr Einheitsgemeinde stellt sich das Bild anders dar. Die Kosten der Verwaltung sind massiv gestiegen und liegen über denen von 2009 und 2010. (aus 1.414.969 € im Jahr 2010 wurden 2.037.800 € im Jahr 2011 – eine Steigerung von über 40%) Aus heutiger Sicht ist die Gebietsreform als gescheitert anzusehen und den Verantwortlichen Politikern nichts anderes als parteipolitisches Kalkül, die Abschaffung demokratischer Strukturen und die Schaffung gut bezahlter Ämter vorzuwerfen.
Hoffnung auf das Landesverfassungsgericht bleibt
Grund zur Zuversicht gibt das Urteil des Verfassungsgerichtes im Fall Schopsdorf. Ähnlich wie in Zorbau wurden dort die Menschen zu spät von den Plänen der Landesregierung informiert. Es ist wahrscheinlich, dass in der ersten Jahreshälfte 2012 auch das Urteil im Fall Zorbau gesprochen wird und die Gemeinde wieder ihre Geschicke selbst in die Hand nehmen kann - je eher desto besser, denn der angerichtete Schaden an der Gemeinde ist bereits jetzt groß genug.
Das Glas ist halbvoll
Natürlich kann man jeder Krise auch Positives abgewinnen. Ohne eine starke Kommune im Rücken ist in den Vereinen der Gemeinde das Bewusstsein gewachsen, näher zusammenrücken zu müssen. Das konnte man beim Zorbauer Festanger oder dem Oldtimertreffen in Nellschütz wahrnehmen. Beim Zorbauer Weihnachtsmarkt wird diesem Bewusstsein mit einem gemeinsamen Fest erstmals offiziell Ausdruck verliehen.

Die Zorbauer Heimatscheune beim Richtfest. Die letzt Investition die in der Gemeinde Zorbau umgesetzt
werden konnte - nur mit großen Kampf konnte hier ein Baustopp verhindert werden.
Am 4. Advent wird hier der Zorbauer Weihnachtsmarkt stattfinden.
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